Sizilianisches Dokumentationszentrum “Giuseppe Impastato”

Das sizilianische Dokumentationszentrum ist das erste Zentrum Italiens, das Studien über die Mafia durchführt. Gegründet wurde es 1977 von Umberto Santino, im Mai 1980 wurde es formell in einen kulturellen Verein umwandelt. Der Verein wurde nach dem politischen Kämpfer der “Neuen Linken” Giuseppe Impastato benannt, der von der Mafia am 09. Mai 1978 umgebracht worden war. Seit 1998 ist das Zentrum eine gemeinnützige Gesellschaft sozialer Zielrichtung (Onlus = Organizzazione non lucrativa di utilità sociale).
Das Zentrum hat die Erforschung des Phänomens der Mafia und anderer ähnlicher Phänomene auf nationaler und internationaler Ebene zum Ziel. Das Zentrum fördert und initiiert Aktivitäten zur Bekämpfung dieser Phänomene, erarbeitet Konzepte für eine angemessene “Kultur der Legalität”, der Entwicklung und der demokratischen Beteiligung. Um diese Ziele zu erreichen, werden folgende Aktivitäten durchgeführt: Sammlung und Bereitstellung von politischen, wirtschaftlichen, geschichtlichen und soziologischen Materialien, Durchführung von Forschungen und Studien, Organisation von kulturellen Initiativen (Kongresse, Seminare, Debatten, Ausstellungen etc.), Publikation von Büchern, Broschüren und verschiedenen anderen Materialien.
Im Laufe seines Bestehens hat das Zentrum, seit jeher eigenfinanziert, eine Bibliothek und ein Spezialarchiv über die Mafia und andere Formen organisierter Kriminalität angelegt, hat Forschungen und Studien, Bibliographien und Dokumentationsmaterialien erstellt, Informations- und Erziehungsveranstaltungen in Schulen und Universitäten in Italien und im Ausland durchgeführt. Weiterhin war ein Schwerpunkt der Arbeit die Förderung von mobilisierenden Aktivitäten (z.B. die nationale Demonstration gegen die Mafia im Mai 1979, die erste in der Geschichte Italiens) und des sozialen Zusammenwachsens. Das Zentrum hatte einen entscheidenden Anteil an der Aufklärung des Verbrechens an Giuseppe Impastato. Mit den Untersuchungen zu Mafia und Gesellschaft hat das Zentrum eine wissenschaftliche Analyse des Phänomens Mafia angestoßen, die es zuvor nicht in dieser Form gab. Schwerpunktthemen waren in diesen Untersuchungen die Morde in Palermo, die mafiosen Unternehmungen, der internationale Drogenhandel, die Beziehungen zwischen Mafia und Politik sowie die Anti-Mafia-Bewegung.
Das Zentrum hat sich ebenfalls in der Friedensbewegung engagiert und sich gegen die neoliberalistische Globalisierung und für eine Globalisierung eingesetzt mit demokratischer Beteiligung und Achtung der Menschenrechte.

(Übersetzung: Susanne Hackmann und Salvatore Saputo)

Für eine Liste der italienischsprachigen Publikationen des Zentrums siehe die italienischen Web-Seiten.